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Change! Fellow werden: Worauf es beim Antrag ankommt
Angesichts der vielen Krisen wächst die Erwartung an die Wissenschaft: Sie soll faktenbasierte Handlungsoptionen entwickeln und Lösungen mitgestalten. Unsere Change! Fellowships ermöglichen transdisziplinäre Forschungsprojekte. Doch was zählt bei der Antragstellung und welche Vorhaben wurden bereits bewilligt? Die Förderreferentinnen Annabella Hüfler-Fick und Mona Weyrauch erläutern die Anforderungen.
Kriege, Krisen und Konflikte: Die Welt ist im Dauerstress. Wie kann Wissenschaft – und insbesondere die Förderinitiative Change! Fellowships – Lösungswege aufzeigen?
Dr. Mona Weyrauch: Wenn es darum geht, Krisen zu identifizieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln, spielt Wissenschaft eine enorme Rolle. Sie kann die Ursachen von Krisen entschlüsseln. Wissenschaft kann aber auch jene Faktoren bestimmen, die den Weg aus der Krise ebnen, und Methoden entwickeln, diesen Weg auch zu gehen.
Mit unserer Förderinitiative Change! Fellowships im Profilbereich Gesellschaftliche Transformationen bringen wir Wissenschaft und Öffentlichkeit zusammen. Denn der rein wissenschaftliche Blick reicht oftmals nicht aus. Wer Wandel in Gang setzen will, braucht auch die Perspektive aus der Gesellschaft. Change! ermöglicht Projekte, die Krisenbewältigung erforschen und Impulse für Veränderung geben.
Dr. Mona Weyrauch ist Förderreferentin im Profilbereich "Gesellschaftliche Transformationen". Dort betreut sie Forschungsprojekte in den Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften.
An wen richtet sich die Initiative?
Dr. Annabella Hüfler-Fick: Die Change! Fellowships richten sich an Personen aller wissenschaftlichen Fachbereiche, die mit ihrer Forschung darauf abzielen, gesellschaftliche Transformation gemeinsam mit Partner:innen außerhalb der Wissenschaft zu gestalten.
Bewerben können sich Postdoktorand:innen, deren Promotion zum Stichtag am 16. April 2026 mindestens zwei und höchstens 15 Jahre zurückliegt. Darüber hinaus sind Juniorprofessor:innen mit und ohne Tenure Track – sowohl vor als auch nach der Evaluation – antragsberechtigt. Neu ist, dass jetzt auch frisch berufene Professor:innen eine Bewerbung einreichen dürfen. Und zwar bis zu drei Jahre nach Annahme des ersten Rufs. Je nach Position und Anstellungsverhältnis ändern sich die Fördermodalitäten – bitte lesen Sie hierzu das Merkblatt (PDF, 244.9 KB).
Change! ist eine Personenförderung – uns geht es also wirklich um die Person hinter dem Antrag und ihr Potenzial, ein „Agent of Change!" zu sein. Eine Person, die eine Brücke zwischen ihrer starken Fachkompetenz und dem realen Leben da draußen schlägt. Exzellente wissenschaftliche Erkenntnisse sollen mit unserer Förderung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, ob global oder alltagsnah, beitragen – hin zu einer besseren, nachhaltigeren und lebenswerteren Zukunft.
Als Förderreferentin im Profilbereich "Gesellschaftliche Transformationen" betreut Dr. Annabella Hüfler-Fick Forschungsprojekte der Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften.
Mit der Förderinitiative Change! wurden bisher neben den Fellowships auch Research Groups gefördert. Fallen diese nun weg?
Weyrauch: Nach intensiven strategischen Gesprächen und basierend auf den Erfahrungen der letzten Ausschreibungsrunden haben wir uns dazu entschlossen, den Fokus auf die Fellowships zu legen. Hier erscheint uns das Potenzial, eine zukunftsorientierte und strukturelle Wirkung zu erzielen, deutlich größer. Daher bündeln wir unsere Energie und weiten das Angebot zeitgleich aus. Auch Festangestellte aus dem Mittelbau, positiv evaluierte Juniorprofessor:innen und Frischberufene bis drei Jahre nach Erhalt des ersten Rufs sind in der neuen Ausschreibung antragsberechtigt. Außerdem planen wir jährliche Stichtage.
Als Besonderheit am Förderangebot Change! heben Sie den transdisziplinären Ansatz hervor, nämlich dass außerwissenschaftliche Akteur:innen in die Forschungsprojekte eingebunden werden. Welche Effekte erhoffen Sie sich?
Hüfler-Fick: Wir fördern Vorhaben, die Wissenschaft und Öffentlichkeit wirklich zusammenbringen. Ziel der transdisziplinären Forschung ist, dass Erkenntnisse nicht im Regal stehenbleiben, sondern in die Gesellschaft hineinwirken. Uns geht es darum, dass Problemlagen erforscht und nachhaltige Lösungsansätze entwickelt werden, die dann auch da ankommen, wo sie gebraucht werden. In den bisher bewilligten Forschungsprojekten wurden Formate wie Online-Lernangebote, Ausstellungen, parlamentarische Frühstücke und Dokumentarfilme entwickelt. Gleichzeitig möchten wir transdisziplinäre Forschung stärker im Wissenschaftssystem verankern – einen Beitrag dazu leisten, dass sich Reputationslogiken und Karrierewege differenzieren.
In den letzten Ausschreibungsrunden hat sich gezeigt, dass transdisziplinäre Forschung dann besondere Wirkung erzielen kann, wenn die Zusammenarbeit der Partner:innen besonders tragfertig ist. Deswegen erwarten wir in der aktuellen Ausschreibungsrunde, dass die Antragstellenden bereits eine erprobte Partnerschaft mitbringen, oder über einschlägige transdisziplinäre Forschungserfahrung verfügen.
Weyrauch: Was wir mit Change! allerdings ausdrücklich nicht fördern wollen, sind Citizen-Science-Projekte. Außerwissenschaftliche Partner:innen sollen auch nicht als reine Datenlieferant:innen angesehen werden oder Hilfsarbeiten leisten. Vielmehr soll die Fragestellung gemeinsam konzipiert, Arbeitspakete definiert und die Ergebnisse in die Gesellschaft getragen werden. Das alles muss auf Augenhöhe stattfinden. Wir haben zum Beispiel Kooperationsprojekte mit Richter:innen, staatlichen Agenturen, internationalen NGOs, Theatern und regionalen Kommunen bewilligt. Hier sieht man, wie groß die Bandbreite der außerwissenschaftlichen Partner:innen sein kann.
Ich möchte unbedingt noch Interdisziplinarität – also die Kooperation unterschiedlicher wissenschaftlicher Bereiche – ganz deutlich von Transdisziplinarität abgrenzen. Wenn die eingereichten Projektideen zusätzlich interdisziplinär sind, ist das super, aber der transdisziplinäre Ansatz muss gegeben sein.
Was sollten Forschende und ihre außerwissenschaftlichen Partner:innen bei der Antragstellung sonst beachten?
Weyrauch: Wir haben in der letzten Ausschreibungsrunde knapp 140 Anträge für die Change! Fellowships erhalten. Daran lässt sich das große Interesse an unserem Förderangebot ablesen. Daher gilt: Wer sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen will, sollte hervorragende Wissenschaft mit herausstechenden Ideen, die wirklich neu sind, verbinden. Aus dem Antrag muss hervorgehen, wie das Projekt wissenschaftliche Perspektiven und Erkenntnisse generiert und gleichzeitig gesellschaftlichen Wandel ankurbelt. Acht der 140 Antragstellenden haben in der letzten Runde eine Zusage für die Förderung erhalten.
Hüfler-Fick: Damit der Antrag nicht nur inhaltlich, sondern auch formal alle Anforderungen erfüllt, empfehle ich, unser Merkblatt (PDF, 244.9 KB) aufmerksam zu lesen und unbedingt eine unserer Online-Sprechstunden zu besuchen. Dort sind auch alle Infos zum Stichtag in diesem Jahr sowie zu gegebener Zeit zu den weiteren zu finden. Denn Change! ist inzwischen fest in unserem Förderhandeln verankert. Wichtig: Wessen Idee noch nicht vollständig ausgereift oder wessen Partnerschaft noch nicht wirklich etabliert ist, sollte sich angesichts des kompetitiven Verfahrens also lieber ein Jahr Zeit lassen und den Antrag bis zum Stichtag in 2027 ausarbeiten.
Wir haben in der aktuellen Runde aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen einige Veränderungen vorgenommen. Antragstellende müssen nun auch ein Publikationskonzept einreichen und ein Scientific Advisory Board etablieren. Wie bereits erwähnt, erwarten wir dieses Jahr auch, dass es sich um erprobte Partnerschaften handelt oder dass die Antragstellenden einschlägige transdisziplinäre Forschungserfahrung mitbringen.
Was können Sie Interessierten zum Antragsprozess mit auf den Weg geben?
Hüfler-Fick: Wir freuen uns über die große Vielfalt an Projektideen in den ersten beiden Ausschreibungsrunden. Das hat uns darin bestärkt, die Ausschreibung fachoffen zu halten. Auch die Bandbreite der involvierten außerwissenschaftlichen Partner:innen finden wir vielversprechend für den gesellschaftlichen Impact, den wir uns – im Großen wie im Kleinen – durch die Förderung erhoffen.
Weyrauch: Um die besten Antragstellenden auszusuchen, kombinieren wir die wissenschaftliche Begutachtung mit einer Art Assessment Center. Dort bekommen die Forschenden Raum, ihre Stärken in Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Führung sichtbar zu machen. Dies geschieht in konkret dafür erarbeiteten Rollenspielen und so genannten Case Studies. Für uns war das ein neues Verfahren, aber wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Antragstellenden persönlich kennenzulernen. Deshalb werden wir es in der nächsten Auswahlrunde – leicht angepasst – wieder einsetzen