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Aus Abfall wird Rohstoff: Ein Mitmachlabor macht Zirkularität begreifbar

Autorin: Tina Walsweer

Ein Gebilde aus verschiedenfarbigen Kunststoffplatten mutet wie ein herabstürzender Komet an

Das Herzstück, der "Kunststoffkomet", soll im Laufe der Ausstellung mithilfe der Besucher:innen wachsen.

Plastik ist überall, vor allem auch im Abfall. Im Science Center phaeno in Wolfsburg zeigt ein neues Zukunftslabor, wie aus Abfall wieder Rohstoff wird. Bespielt wird das Zukunftslabor unter anderem mit Exponaten aus dem stiftungsgeförderten Projekt "ZuKUNSToff", das auf Anfassen, Ausprobieren und Staunen setzt.

Der Ideenwettbewerb "Zirkularität im Alltag" der VolkswagenStiftung verfolgte ein klares Ziel: die Rohstoffwende nicht nur zu erforschen, sondern sie im Alltag erfahrbar zu machen. Erreicht werden sollte dies durch innovative und partizipative Formate der Wissenschaftskommunikation.

"ZuKUNSToff", ein im Ideenwettbewerb gefördertes Projekt der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und des phaeno Science Center ist dafür ein Musterbeispiel. Die Forscher:innen aus Wolfenbüttel und Salzgitter haben gemeinsam mit den Praxispartner:innen aus Wolfsburg Thema und Kommunikationskonzept entwickelt und umgesetzt – vom Ausstellungsdesign bis zu den Dialogformaten. Die Hochschule bringt dabei aktuelles Wissen zu Kunststoffen und Kommunikation ein, das Science Center erzeugt die Reichweite in der Öffentlichkeit. "Zusammen ergibt sich eine nachhaltige Wirkung, auch nachdem die Förderung der Stiftung endet", sagt Dr. Ulrike Bischler, die die Initiative in der Stiftung betreut.

Zwei Seiten, ein Ziel

Am 7. März 2026 hat nun das phaeno im Themencluster "Planet A" das Forum zum Thema Kunststoff eröffnet. Der Blick ist bewusst doppelt: Kunststoff als WertStoff – unverzichtbar in Medizin, Mobilität und Alltag – und als SchadStoff – mit gravierenden ökologischen Folgen, von Mikroplastik bis CO2-Bilanz. Herzstück ist ein "Kunststoffkomet", der aus Elementen weiter wachsen soll, die Besucher:innen vor Ort in einem 3D-Drucker herstellen. Das künstlerische Centerpiece bündelt Ideen, Perspektiven und Visionen und lädt zum Gespräch ein.

Drei interaktive Stationen führen in Vielfalt, Beständigkeit und Geschichte des Materials Kunststoff ein; eine multimediale Infostation stellt das Forschungs- und Transferprojekt REVFIN vor, in dem die Forscher:innen mit Partner:innen in Vietnam zirkuläre Lösungen für Fischernetze entwickeln. "Nicht Plastik an sich ist das Problem", sagt Projektleiter Prof. Dr. Harald Rau von der Ostfalia. "Das Problem ist, wie wir mit Plastik umgehen und dass wir als Weltgesellschaft versäumt haben, eine passende Logistik zu entwickeln."

Aus recyceltem Kunststoffgranulat können neue Dinge entstehen, wie hier bunte Perlen

Aus recycelten Kunststoffen lassen sich neue Dinge herstellen – wie hier bunte Perlen an der Mitmachstation.

Zukunftslabor: Forschen mit den Händen

Teil des Forum Kunststoff ist auch der neue "Werkzeugkoffer der Kreislaufwirtschaft", bei dem Besucher:innen ab sofort sortieren, prüfen und recyceln können: Durch Magnettests lassen sich Metalle trennen, Dichtebäder zeigen, was sinkt oder schwimmt, und ein Infrarot-Scanner identifiziert Kunststoffe wie in realen Anlagen. Unter dem Mikroskop wird Mikroplastik sichtbar; an einer CO2-Budget-Station wird deutlich, welche Klimakosten Produkte verursachen. An der Werkbank lassen sich Verpackungsreste zerkleinern, erhitzen und in neue Formen pressen. In der Kreativstation entstehen aus alten Fischernetzen Taschen, Deko oder völlig Neues; Kurzworkshops führen in 3D-Druck mit Kunststoff-Filamenten ein. So werden wissenschaftliche Erkenntnisse auch für Laiinnen und Laier leichter begreifbar.

Vom Ausprobieren zur Wirkung

Wie das Projekt "ZuKUNSToff" in Wolfsburg erlebbar geworden ist, steht exemplarisch für Wissenschaftskommunikation, die nicht belehrt, sondern beteiligt. Sie setzt auf klare Sprache, anschauliche Experimente und künstlerische Zugänge, die sowohl Emotionen als auch den Verstand ansprechen. Im besten Fall entsteht daraus, was die Stiftung mit dem Ideenwettbewerb befördern wollte: Akzeptanz und Mitwirkung bei der Transformation von der linearen Nutzung hin zu Kreisläufen. "Wir haben die Hoffnung, dass wir hier Menschen erreichen, die ins Nachdenken kommen – und ins Handeln", sagt Rau.

Ein türkises Fischernetz ist in einem durchsichtigen Schaukasten aufgespannt.

Ein Fischernetz aus dem REVFIN-Projekt der Forschenden.

Abschlussphase: Wirkung verstetigen

Damit die stiftungsgeförderten Projekte aus dem Ideenwettbewerb Zirkularität weiter wachsen, bietet die Stiftung den geförderten Teams für eine Abschlussphase weitere Fördermittel an. Die Stiftung verspricht sich davon neben kritischer Selbstevaluation unter anderem konkrete Schritte, um die Reichweite zu erhöhen und neue Multiplikator:innen einzubinden, um weitere Zielgruppen zu erreichen. "ZuKUNSToff" zeigt, wie dieses Zusammenspiel funktionieren kann: Forschung liefert Fakten und Fragen, das Science Center übersetzt in Erlebnisse, das Publikum bringt Perspektiven und Ideen ein.

Recherche und Texterstellung wurden unterstützt durch KI.

Infos zum Förderangebot Zirkularität

Illustration mit verschiedenen Materialien, die recycelt werden können
Förderangebot

Zirkularität im Alltag – Abschluss des Ideenwettbewerbs

#Nachhaltigkeit #Transdisziplinarität

Diese Abschluss-Ausschreibung richtet sich an bereits im Ideenwettbewerb "Zirkularität im Alltag" von 2024 geförderte Projektteams.

Illustration mit einer Person in der Mitte eines Strudels aus recycelbaren Materialien (z. B. Dosen, Flaschen usw.)
Förderangebot

Neues Förderangebot: Zirkularität mit recycelten und biogenen Rohstoffen - Kooperationsprojekte

#Nachhaltigkeit

Die erste Ausschreibung für Kooperationsprojekte richtete sich primär an die Natur- und Ingenieurwissenschaften.

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