kurz informiert

4,2 Mio. Euro für antivirale Wirkstoffe

Symbolhaft dargestellte Viren und Medikamente

Gegen viele Viruserkrankungen existieren keine wirksamen Medikamente. So können sie sich zu einer globalen Bedrohung auswachsen. In der Initiative "Innovative Ansätze in der antiviralen Wirkstoffentwicklung" fördert die VolkswagenStiftung jetzt vier Forschungsgruppen, die sich mit bislang wenig untersuchten Viren befassen und neue therapeutische Strategien gegen sie entwickeln wollen.

Pandemien und neu auftretende Viruskrankheiten zeigen, wie dringend neue antivirale Medikamente gebraucht werden. Gleichzeitig konzentriert sich die Forschung häufig auf bereits gut untersuchte Erreger. Mit der Förderinitiative "Innovative Ansätze in der antiviralen Wirkstoffentwicklung" will die VolkswagenStiftung deshalb gezielt Projekte unterstützen, die neue Wirkstoffklassen gegen bislang wenig erforschte Viren entwickeln und dabei auch den Weg in die Anwendung im Blick haben. Förderfähig sind innovative Forschungsansätze etwa aus der Virologie, Biochemie, Pharmakologie oder Molekularbiologie. Voraussetzung ist zudem das Interesse eines europäischen Pharma- oder Biotechunternehmens an einer möglichen späteren Anwendung der Ergebnisse.

"Viele Viren mit potenziell großer Gefahr für den Menschen sind bislang kaum erforscht", sagt Förderreferent Dr. Pavel Dutow. "Gerade hier brauchen wir mutige, kreative Forschungsideen. Unsere Förderung soll Forschenden den Freiraum geben, solche Ansätze zu verfolgen und zugleich frühzeitig an eine spätere medizinische Anwendung zu denken."

Die Stiftung hat jetzt für vier Forschungsvorhaben rund 4,2 Mio. Euro bewilligt:

Neue Therapieansätze gegen gefährliche RNA-Viren wie Lassa und Krim-Kongo

Das Forschungsteam entwickelt eine neue Therapie gegen gefährliche RNA‑Viren. Im Mittelpunkt stehen sogenannte DNAzyme – künstlich hergestellte DNA‑Moleküle, die virale RNA in infizierten Zellen gezielt zerschneiden. So lässt sich verhindern, dass sich Viren weiter vermehren. In früheren Arbeiten verbesserte das Team Stabilität und Wirkung dieser Moleküle und verpackte sie in winzige Fettpartikel, die den Transport in Zellen erleichtern. In einem Modellsystem konnte damit eine chronische Arenavirusinfektion erfolgreich behandelt werden. Nun wollen die Forschenden den Ansatz auf zwei besonders gefährliche Viren übertragen: das Lassa‑Virus und das Krim‑Kongo‑Fieber‑Virus. Dafür sucht das Team nach geeigneten Zielstellen in der viralen RNA und testet vielversprechende Wirkstoffkandidaten.

"Changing the game: New DNAzyme-based therapeutic concepts to cure viral haemorrhagic fever" (Dr. Manuel Etzkorn, Prof. Dr. Holger Gohlke, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Prof. Dr. Stephanie Kath-Schorr, Universität zu Köln; Prof. Dr. Philipp Lang, Universitätsklinikum Düsseldorf; Dr. Lisa Oestreich, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin; Fördersumme rd. 1,1 Mio. Euro)

Illustration einer Frau, die mit den Händen ein Stopp-Signal gibt

Innovative Ansätze in der antiviralen Wirkstoffentwicklung (beendet)

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Wirksame und sichere Medikamente gegen Hepatitis E

Hepatitis E gehört weltweit zu den häufigsten Virusinfektionen der Leber. Besonders für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das Virus lebensbedrohlich werden. Eine gezielte antivirale Therapie gibt es bisher nicht. Das Forschungsteam will deshalb neue Wirkstoffe gegen das Hepatitis‑E‑Virus entwickeln. Die Forschenden nehmen dafür eine zentrale Schaltstelle des Virus ins Visier, die für seine Vermehrung wichtig ist. Zum einen sucht das Team nach chemischen Molekülen, die diesen Mechanismus blockieren. Zum anderen entwickelt es kurze RNA‑Moleküle, die die virale Erbinformation gezielt abbauen. Beide Ansätze testet das Team auf Wirksamkeit und Verträglichkeit.

"MACROHEV" (Prof. Dr. Sandra Ciesek, Prof. Dr. Eugen Proschak, Goethe-Universität Frankfurt am Main; Prof. Dr. Thomas Krey, Universität zu Lübeck; Dr. Maria Kuzikov, Prof. Dr. Aimo Kannt, Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie ITMP; Prof. Dr. Eike Steinmann, Ruhr-Universität Bochum; Fördersumme: rd. 1 Mio. Euro)

Neue Strategie gegen den Eintritt von Viren in Körperzellen

Viele Viren nutzen denselben Trick, um in menschliche Zellen einzudringen: Sie docken an ein Zuckermolekül auf der Zelloberfläche an, die sogenannte Sialinsäure. Die Forscher wollen diesen gemeinsamen Schritt blockieren und so eine breit wirksame antivirale Strategie entwickeln. Sie suchen dafür nach Molekülen, die der Sialinsäure ähneln und das Andocken der Viren verhindern. Erste geeignete Kandidaten hat das Team bereits gefunden. Nun wollen die Wissenschaftler weitere solcher Verbindungen herstellen und gegen verschiedene Atemwegsviren und andere bislang wenig erforschte Viren testen. Besonders vielversprechende Wirkstoffe prüft das Team anschließend genauer.

"A Next-Generation Drug Development Platform for Viral Entry Inhibitors Targeting Respiratory and Neglected Viruses with Pandemic Potential" (Prof. Dr. Alexander Titz, Universität des Saarlandes; Jun.-Prof. Dr. Christian Sieben, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung; Fördersumme: rd. 1 Mio. Euro)

Hormonelle Folgen von Virusinfektionen verstehen und therapeutisch nutzen

Das Forschungsteam untersucht, wie respiratorische Viren den Hormonhaushalt beeinflussen und ob sich daraus neue Behandlungen für künftige Pandemien ableiten lassen. Ihre früheren Studien zeigen, dass SARS‑CoV‑2 den Stoffwechsel von Geschlechtshormonen verändert. Das Virus stört ein zentrales Enzym welches dazu führt, dass Testosteron verstärkt in das Hormon Estradiol umgewandelt wird. Bei männlichen Patienten hängt dieser Effekt mit schwereren Krankheitsverläufen zusammen. In Tierexperimenten zeigte das Team bereits, dass ein schon zugelassenes Medikament diesen Prozess erheblich bremsen kann. Behandelte Tiere erholten sich nicht nur schneller sondern ihre Lunge blieb auch langfristig gesünder. Nun wollen die Forschenden genauer untersuchen, wie solche Hormonveränderungen die Heilung der Lunge beeinflussen. Dafür testen sie verschiedene Wirkstoffe.

"Restoring virus-induced disruption of the sex hormone metabolism as a potential treatment strategy to reduce acute and long-term disease burden of pandemic pathogens (SHIELD)" (Prof. Dr. Gülsah Gabriel, Leibniz-Institut für Virologie, Hamburg, Hamburg; Prof. Dr. Franziska Richter Assencio, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover; Fördersumme: rd. 1 Mio. Euro)

Alle Informationen zur Förderinitiative "Innovative Ansätze in der antiviralen Wirkstoffentwicklung" (beendet).

Förderung antiviraler Forschung

Aktuelles

Antivirale Wirkstoffentwicklung: Neue Ausschreibung

Im August 2020 startete das Förderangebot "Virale Zoonosen - Innovative Ansätze in der Wirkstoffentwicklung" als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie. Förderreferent Dr. Pavel Dutow erklärt im Interview, wie das Förderangebot weiterentwickelt wurde und worauf es bei der Antragstellung ankommt. 

Aktuelles

Förderung der Erforschung antiviraler Wirkstoffe – auch gegen Pockenviren

Die WHO hat den Affenpocken-Ausbruch zu einer "Notlage von internationaler Tragweite" erklärt - was die Bedeutung die Forschung an neuartigen, durch Viren ausgelösten Infektionskrankheiten betont. Die VolkswagenStiftung hat nun 10 Forschungsprojekte bewilligt, die an antiviralen Therapeutika gegen Pockenviren und weitere gefährliche Erreger arbeiten.

Aktuelles

Coronavirus: 7 Mio. Euro für Wirkstoffentwicklung

Die VolkswagenStiftung stärkt die anwendungsorientierte Wirkstoffforschung in Deutschland mit rund 7 Mio. Euro: Sie fördert 12 Projekte, die antivirale Therapeutika gegen SARS-CoV-2 und weitere wenig erforschte Viren entwickeln.

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